Auch wenn Dirigentinnen immer noch eine Ausnahme sind: dank einiger starker Persönlichkeiten sind sie mittlerweile im Kommen. Eine von ihnen ist zweifellos Ewa Strusińska, die es auf Norman Lebrechts im Mai 2016 erschienener „Slipped Disc“ Power-Liste der 20 besten Dirigentinnen gleich auf Platz 8 hinter so längst etablierte Größen wie Marin Alsop und Simone Young schaffte – nach nur drei Jahren als Generalmusikdirektorin der Stettiner Philharmonie. Diese Jahre von 2013 – 2016 haben das Musikleben der Stadt nachhaltig geprägt. Ewa Strusińska wurde binnen kurzer Zeit zur treibenden Kraft der künstlerischen Verwandlung des Orchesters. Unter ihrer Leitung entwickelte das Orchester einen bislang unbekannten Glanz, der sich in Stettins akustisch brillanter neuer Philharmonie bestens entfalten konnte. Des Weiteren intensivierte sie die Zusammenarbeit mit örtlichen Musik- und Ballettschulen und moderierte Konzerte für Erwachsene, Jugendliche und Kinder.

Mit Beginn der Spielzeit 2018/2019 übernimmt Ewa Strusińska als Generalmusikdirektorin die Leitung der Neuen Lausitzer Philharmonie am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Zittau als Nachfolgerin von Andrea Sanguineti.

In der Saison 2016/2017 leitete sie neben der Wiederaufnahme von Moniuszkos Gespensterschloss an der Nationaloper in Warschau zum wiederholten Male die Nationalphilharmonie Warschau, das Nationale Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks Kattowitz und das Philharmonische Orchester Oppeln. In Deutschland war sie u.a. mit dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt/Oder zu erleben. Im April 2018 gibt sie ihr Debüt bei der Jenaer Philharmonie und kehrt zurück zum Sønderjyllands Symfoniorkester in Dänemark.

Ein weiterer wichtiger Teil ihrer Tätigkeit liegt im lyrischen Bereich. Große Erfahrung sammelte sie beim Buxton Opera Festival, am Royal Northern College of Music, mit dem Royal Ballet of Covent Garden sowie von 2011 – 2013 als Assistentin und danach als Gastdirigentin an der Nationaloper Warschau. Hier dirigierte sie nicht nur das bekannte italienische und deutsche Opernrepertoire, sondern auch selten gespielte Werke wie Strawinskys Le Rossignol und Pascal Dusapins Medeamaterial sowie im November 2015 Das Gespensterschloss von Stanisław Moniuszko, dessen Wiederaufnahme sie auch im Januar 2018 leiten wird. Nach ihrem Debüt im Januar 2016 am Magdeburger Theater mit Tschaikowskys Dornröschen leitete sie dort im März 2017 die Neuproduktion von Emmerich Kalmáns Csárdásfürstin. Am Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz dirigierte sie im Mai 2017 eine Vorstellung von Manon Lescaut.

Die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts ist Ewa Strusińska besonders wichtig, doch ist sie ebenso zuhause in der klassischen und romantischen Musik, in den großen chorsinfonischen Werken sowie in Programmen mit lateinamerikanischer Musik und in Crossover-Konzerten.

Nach Abschluss ihres Studiums an der Fryderyk-Chopin-Musikuniversität Warschau dirigierte sie zahlreiche polnische Orchester, u.a. das Nationale Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks, die Nationalphilharmonie Warschau, die Philharmonischen Orchester von Łódź, Olsztyn, Rzeszów und Bydgoszcz. Eine regelmäßige Zusammenarbeit verbindet sie mit dem Orchester der Beethoven-Akademie Krakau sowie mit der Sinfonia Varsovia.

Bekannt im Ausland wurde sie als Preisträgerin des Bamberger Symphoniker Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs 2007. Gastauftritte führten sie u.a. zu den Hofer Symphonikern, der Sinfonietta Baden, dem Uppsala Chamber Orchestra, dem Gävle Symfoniorkester, dem Sønderjyllands Symfoniorkester, der Slovak Sinfonietta, dem Johannesburg Philharmonic Orchestra, dem BBC National Orchestra of Wales, der Northern Sinfonia, dem Norrlands Opera Symphony Orchestra sowie zur Norddeutschen Philharmonie Rostock.

Ihr Engagement für musikalische Nachwuchsförderung stellt weiterhin einen Schwerpunkt dar mit ihrer Lehrtätigkeit am Royal Northern College of Music in Manchester, der Leitung von verschiedenen Orchestern und Chören in England und des International Lutosławski Youth Orchestra in Stettin, das junge Musiker an das zeitgenössische Repertoire heranführt.

Im Oktober 2016 dirigierte sie das Landesjugendorchester Berlin im Konzerthaus Berlin; regelmäßig leitet sie außerdem Arbeitsphasen des South African National Youth Orchestra.

Von 2008 – 2010 war Ewa Strusińska Assistentin von Sir Mark Elder beim Hallé Orchestra in Manchester. Sie nahm an zahlreichen Meisterkursen teil, u.a. bei Antoni Wit, Gabriel Chmura, Bruno Weil, Kurt Masur und Valery Gergiev.

Ihre Aufnahme mit dem Orchester der Beethoven-Akademie und Martin Labazevitch (Werke von Moniuszko, Chopin und Lutosławski) erschien 2015 bei dem Label Delos.